Kleider machen keine Leute

Ganz im Vertrauen; ich hasse es Anzug & Krawatte tragen zu müssen.
Nennt mich altmodisch aber gerade wenn es um „Arbeitskleidung“ geht bin ich grundsätzlich jedem gegenüber skeptisch, der einen Anzug nur deshalb trägt um seriös zu wirken.
Beerdigungsunternehmer? Ok, da will ich nichts sagen.
Ober im Nobelrestaurant? Ja bitte.
Aber bei Banker, Staubsaugerdrücker oder Versicherungsopschnacker hört bei mir persönlich die Freundschaft auf.
Wie sagte Grafikkollege Achim gestern so treffend; „ Erfolg ist, keinen Anzug tragen zu müssen.“ Recht hat er.
Trotzdem besitze ich einen Anzug. Was red ich, sogar zwei. Auch wenn mir vom zweiten nur noch das Jackett passt. Und gelegentlich trage ich die sogar.
Zum Beispiel bei der Arbeit 😀
Ich weiß das es paradox klingt aber gelegentlich „muss“ ich, auch als seriöser Mensch, einen Anzug tragen.
Gottlob nur VOR der Kamera. 😉

Da die Werbefotografie (Stockfotografie) einen Großteil meiner Arbeit darstellt benötige ich ab und zu „jemanden im Anzug“, der mir Model steht.
Da ich meistens nur Körperteile benötige (man sieht halt nur nen Arm oder so) ist es einfacher und schneller wenn ich da selbst den „Geschäftsmann“ mime.
Gestern war es dann mal wieder so weit.
Zum Thema „Burn Out Syndrom“ und „Alkohol auf der Managementebene“ wollte ich gerne mit nem Anzugtypen Symbolfotos erstellen.
Also reingequält in den Fummelzwirn, Augen zu und durch.

Da die Grundidee vorher schon feststand; Burnout symbolisch dargestellt durch eine verlöschende Kerze und die Suffnase durch ne Buddel Köm war die abschliessende Bildbearbeitung relativ einfach. Die alte Grundregel bewahrheitet sich immer wieder; Vorbereitung ist die halbe Miete.
Warum ich das schreibe? Damit ihr euch nicht wundert warum ich auf dem Kopf so eine Art Vogelnest habe. 😀
Ihr dürft trotzdem gerne raten warum. 😉

PS: nicht alle die beruflich Geld verleihen, minderwertigen überteuerten Kram an der Haustür verticken oder versuchen jemanden fondsgebundene Lebensversicherungen mit suuuuper Rendite anzudrehen sind schlechte Menschen…… sagte mir mal jemand.
Ich lass das mal so stehen…..

Memento moriendum esse

Vanitas ist lateinisch und bedeutet „Eitelkeit“ und ist gleichbedeutend mit „vergänglich“ oder „wertlos“.
Vanitas-Motive dienten früher dazu, etwaigen Freigeistern bildlich die passende Gesinnung einzubläuen in dem sie an die Vergänglichkeit (des Lebens) erinnerten und dazu mahnten, dass es nutzlos sei im Leben nach Ruhm, Macht und schnöden Tand zu streben da spätestens auf der Totenbarre eh alles für die Katz ist.
Also immer fromm statt fröhlich leben…..bah wie langweilig….

Über Vanitas muss man nachdenken, man kann sogar darüber nachdenken weil es nicht besonders schwer ist.
Da gibt es nicht viele Ecken um welche man denken muss. 😉

Die Symbole im folgenden Bild stehen im Einzelnen für:
– verlöschende Kerze = verlöschendes Leben, das Ende
– Schädel = Tod, Vergänglichkeit alles irdenen
– Bibel = Frömmigkeit, Gottesfürchtigkeit aber auch Wert und Dauerhaftigkeit des geschriebenen Wortes
– Schmetterling = auf einem Tuch sitzend (und es vielleicht anhebt) als Zeichen der Wiederauferstehung oder des Neubeginns.
Ich persönlich mag den Bildaufbau von links nach rechts. Also von Geburt (Licht) über das Leben in den Tod (Schatten) zum Neubeginn.

Es gibt hunderte verschiedene Symbole in der Vanitas Malerei.
Seifenblasen, Spielwürfel, Musikinstrumente, Früchte, Lebensmittel allgemein, Fliegen, Eidechsen und so weiter.
Ich persönlich finde das Thema mega interessant und die Umsetzung, bzw. meine Interpretation von Vanitas ist mittlerweile ein liebgewonnener Teil meiner Arbeit.

Falls es euch einmal in ein Museum, in eine Gallerie verschlägt oder ihr schon immer mal wissen wolltet ob der olle Kunstdruck über dem Sofa von Oma Schlawotzki etwas bedeutet…. versucht euer Glück.
Es macht auch mal Spaß den Sinn hinter einem Bild zu ergründen. 🙂

Schön Wischi wischi machen…….

Man stelle sich das folgende Problem vor.
Ein Bilderrahmen soll bestückt werden.
Auf dem Antikmarkt gekauft, Handarbeit, Krummes Maß, 41cm x 46cm.
Das Bild, welches ich da rein haben möchte passt auflösungstechnisch nicht wirklich.
Die Aufnahme (eine Berberaffenfamilie die ihr Junges beschützt) stammt aus 2009 oder so und entsprang meiner damaligen Sony A100 mit 10 MP.
Natürlich würden die 10 MP für den Druck locker ausreichen aber das Foto ist auf handliche 2 MP gecroppt….also zugeschnitten und die Belichtung ist auch eher suboptimal. Ausreichend für ein paar Likes auf Facebook unzureichend für einen anständigen Druck.

Da ich dieses Bild aber wirklich gerne in meiner nächsten Ausstellung Ende August haben möchte entschloss ich mich zu etwas was man “ Smudge Painting“ nennt.
Vereinfacht ausgedrückt, das verwischen/verschmieren des gesamten Bildes. Stück für Stück.
Ähnlich wie in der klassischen Malerei mit einem Pinsel „malt“ man hier also das Bild neu. Nur eben auf Basis eines Fotos. Spaßige wenn auch langwierige und techniklastige Angelegenheit 😀
Das Schöne an der Sache ist aber, dass wirklich jeder Strich individuell ist.
Kein Photoshop Plugin, kein Skript, keine 08/15 Aktion nur reine Handarbeit 🙂

Und das Ergebnis läßt sich in einer vernünftigen Größe drucken. 🙂

Das fertige Bild findet ihr ebenfalls auf Facebook.