Ich lebe in Boizenburg/Elbe, der westlichsten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns und wie der Name schon vermuten läßt; fast an der Elbe.
Boizenburg ist eine mittelalterliche Stadt.
Nicht nur was Kulturangebot, Stadtregierung oder den Zustand der Radwege angeht sondern auch historisch betrachtet hat die 1158 zum ersten Mal erwähnte Stadt einiges auf dem Buckel.
Als beispielsweise die Lüneburger im Jahre 1619 das Vierland plünderten, im Zuge der ewigen Streiterein mit Hamburg und Lübeck um den Gammerdeich, wurde der dazu passende Frieden 1620 hier bei uns in Boizenburg geschlossen. Der sogenannte und heute leider vergessene “Vertrag von Boizenburg” oder auch “Boizenburger Frieden”
Der französische General Joseph Morand starb hier 1813 nach dem “Gefecht bei Lüneburg”.
Das selbe Schicksal ereilte schon Anno 1644 die kompletten schwedische Besatzung der alten Befestigungsanlage im Boizenburger Fürstengarten, als während des 30jährigen Krieges die kaiserlichen Truppen ebenfalls unter hohen Verlusten die Reste dieser Anlage stürmten.
Die Stadt Boizenburg hatte im Laufe ihrer Geschichte einige solcher Befestigungsanlagen, auch “Schanze” genannt.
Keine davon existiert heute noch – leider.
Der dänische König Christian IV, dessen Hauptquartier zeitweise einst in Boizenburg war, lies hier zum Beispiel 1626 eine Schanze an der Elbe errichten und besetzte sie mit 400 schottischen Söldnern.
Deren Aufgabe bestand darin den Übergang über die Elbe zu sichern.
Sie mögen geahnt haben was ihnen blühte, als der Feldherr Graf von Tilly (nebst 1000 Soldaten) ein Jahr später an die Schanze pochte und im rüden Ton Auf- und Übergabe selbiger verlangte.
Die darauf folgenden Kampfhandlungen sollen 3 Tage gedauert haben.
Wo genau diese Schanze stand ist heute schwer zu sagen.
Sicher ist nur; am boizenburger “Goldufer”.
Aber die Elbe und das Goldufer sehen nicht mehr so aus wie 1626.
Alleine der Verlauf der Elbe hat sich so verändert das man davon ausgehen muss, dass der Standort der Schanze heute unter Wasser liegt.
Kleiner Trost: das Goldufer gibt es immer noch.
Und genau dort bin ich gewesen.
Das heutige Goldufer, dessen feiner Sand Namensgeber war, befindet sich am Elbufer welches der Stadt Boizenburg gegenüber liegt.
Es gehört zum Dörfchen Brackede – einem Ortsteil der niedersächsischen Stadt Bleckede.
Bis Ende der 1930er Jahre gehörte das Land allerdings noch zu uns, dem mecklenburgischen Boizenburg und war lediglich an die brackeder Bauern verpachtet die dort ihre Kühe grasen ließen.
Die jährlich Pacht, in Form von ca. 70 Sack Hafer, wurde stets im November bierselig und mit viel Tamtam von Brackede nach Boizenburg gebracht wo man sie bierselig und mit viel Tamtam erwartete.
Einen Tag nach der Feier in Boizenburg machten sich die Brackeder Bauern bierselig und mit viel Tamtam auf den Heimweg in Richtung Brackede wo man sie ….na, erraten?….genau; bierselig und mit viel Tamtam willkommen hieß.
Eine Tradition die mir gefallen könnte
Selbstredend, dass die Brackeder Bauern nicht mit dem Pferdewagen über die Bundestraße 5 nach Boizenburg gefahren sind.
Zur damaligen Zeit gab es eine von beiden Seiten rege benutzte Fährverbindung zwischen Boizenburg und dem Goldufer.
Leider kann ich nicht sagen, wie lange es diese Fähre gab.
Ich schrieb zwar das hiesige Heimatmuseum an aber..naja…es war per eMail.
Da ist es oftmals etwas glückabhängig ob man Antwort erhält…
Eine eindeutige Antwort erhält man leider auch nicht auf die Frage nach einer Reaktivierung dieser Fährverbindung.
Obwohl Brackede und Boizenburg direkt am Elberadweg, dem beliebtesten Fernradweg Deutschlands liegen (Brackede zudem an der Elbuferstraße) und beide touristisch gut genutzt aber ausbaufähig sind, gibt es gerade mal ein paar Gerüchte.
Dabei würde die Fähre einen ca. 30km langen Umweg über Lauenburg/Elbe überflüssig machen – einen Umweg den die wenigsten Touristen auf sich nehmen nur um in Boizenburg ein Eis zu essen.
Alleine es fehlt das Geld… oder der Wille oder die Weitsicht…
Wie auch immer; ein Besuch am Goldufer ist und bleibt trotzdem interessant.
Leerer Sandstrand, Treibsand, flaches Elbwasser (Baden bitte nur auf eigene Gefahr!), Schiffsverkehr, eine für uns Boizenburger ungewohnte Sicht auf die Stadt, dem Vierwald, dem Elwkieker und natürlich die Erkenntnis, dass man sich mit dem Autowagen 30 Minuten durch den Verkehr quälen muss nur um 5 Minuten Fahrradstrecke von zu Hause entfernt zu landen.




















“Boizenburg ist eine mittelalterliche Stadt.
Nicht nur was Kulturangebot, Stadtregierung oder den Zustand der Radwege angeht sondern” Richtig schön formuliert!
….und man kann es nicht oft genug schreiben