Sobald sich die Sonne zeigt, es wärmer und -endlich- auch grüner wird beginnt die schöne Zeit der ausgedehnten Fahrradtouren.
Auch in unserem beschaulichen Fleckchen Erde lassen sich dann wieder etwas mehr (Rad)Touristen blicken und erkunden grüppchenweise Flora & Fauna.

Ich gestehe freimütig; ich bin einer von ihnen.

 

Die erste Tour der Saison habe ich bereits hinter mir.
Ausgestattet mit Fahrrad, Frau & Fresskörbchen starteten wir in unserer Heimatstadt Boizenburg, fuhren quer über die Dörfer bis hinein nach Niedersachsen und wieder zurück.

Keinen Rennradquatsch sondern einen soliden und altersgerechten Ausflug mit dem Citybike.

Etwas mehr als 50 Kilometer, gemütliche Strecke, viele sehenswerte Zwischenstopps, Sonnenbrand und Muskelkater inklusive.

Eine solcher Zwischenstopp ist für uns im Laufe der Zeit zu einer Pflichtveranstaltung geworden.
Und zwar die große Fresspaketplünderung im englischen Landschaftspark in Dammereez.

Englische Landschaftsgärten sind – kurz und laienhaft geschrieben – im Gegensatz zu ihren barocken Vorgängern in ihrem Aussehen nicht an starre geometrische Formen gebunden.
Vielmehr versuchte man hier ein natürlich wirkendes Landschaftsbild zu erschaffen.
Mehr Bäume, Teiche, Wiesen und dafür weniger Blumen und Hecken.
Mitte des 18. Jahrhunderts kamen sie in Deutschland in Mode und lösten als Trend die bereits angesprochenen französisch geprägten barocken Gärten ab.

Da aber bekanntlich jeder Trend uns Mecklenburger immer erst 50 Jahre später erreicht wurde der alte Gutspark in Dammereez erst ab 1800 zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet.
Trotzdem gehört er aber zu den ältesten in Mecklenburg und im Jahre 2003 offiziell zu den zehn schönsten Parks in Deutschland.

Welch Wunder bei dem Baumbestand: mehrere 100 Jahre alte Stieleichen und Eschen, Blut- und Rotbuchen, Berg-Ahorn, orientalische Fichten, Stechpalmen, Nordmanntanne, chinesische Sichelzypresse und und und…

Aber die unbestrittenen Stars im Park sind die vier Mammutbäume.
Ja ok, einer der vier ist gerade mal 15 Jahre alt und daher noch ein Mammutbäumchen aber die anderen drei haben ein Alter von ca. 145 Jahre.
Der Größte unter ihnen hat immerhin eine Höhe von ca. 33 Meter.
Zum Vergleich: Deutschlands ältester Mammutbaum im hessischen Bensheim ist ca. 159 Jahre alt und 55 Meter hoch.

Leider fehlen bei zwei dammereezer Mammutbäumen die Spitze.
Ein Blitzschlag im Dezember 1999 kappte die Krone des einen.
Der Zweite Ende des  Krieges zerstört.
Als am 1. Mai 1945 amerikanischer Panzer Dammereez beschossen wurden der Mammutbaum und die chinesische Sichelpalme hinter dem Gutshaus getroffen.
Beide verloren ihre Spitze, einige der Häuser im Ort wurden zerstört und Gutsbesitzer Wilhelm Petersen wurde durch einen Granatsplitter getötet.
Sein Grabstein steht heute auf dem kleinen Waldfriedhof am Ende des Parks.

Düstere Geschichte und lange lange her.

Heute entwickelt sich der Park dank der Hege und Pflege des Förderverein “Dammereezer Park e.V.” und seinen knapp 200 Mitgliedern zu einem Anlaufort nicht nur für hungrige Radfahrer.

Osterfest im Mai, mit Ostereiersuchen für die Lütten, Laubfeuerfest im Oktober, Malkurse mit Ausstellung im Pavillon oder im Gutshaus und dieses Jahr -so das Gerücht- ein großes offenes Picknick im August. (wo ich mich bestimmt blicken lasse werde :) ).

Es entwickelt sich und man ist offen für Ideen.
Und das alleine ist schon erwähnenswert denn oft sieht es hier in der Gegend in dieser Beziehung ganz anders aus.
In Dammereez denkt man offenbar nicht so denn der Park hat meiner Meinung nach die besten Vorraussetzungen dazu ein kultureller Hotspot zu werden.

 

Warten wir es ab….

 

 

[Nachtrag]
Mon Dieu, ich habe ja das Gutshaus mit keiner Silbe erwähnt.
Ok, Schnelldurchlauf:
Nach 1750 erbaut, ca. 100 Jahre später rekonstruiert und um ein zweites Geschoss erweitert.
Derzeit teilweise unsaniert.
Man könnte es mieten, zumindest die untere Etage.
Meine insgeheime Hoffnung, dass es mal ein kleines *Wellnesshotel wird ist wohl hinfällig.

Kleiner netter Bau aus dem man einiges machen könnte.

 

 

* nichts dabei denken; ich habe ein Faible für Wellnesshotels und ginge es nach mir – und nicht nach meinem Bankberater- würde ich in jedes leerstehende Gutshaus ein solches einbauen.
Das liegt auch daran, da es hier in der Gegend kein Wellnesshotel o.ä. gibt.
Und auch daran das sich viele Touristen fragen wo man hier gepflegt übernachten kann.

Aber das Gutshaus in Dammereez wäre dazu wirklich etwas klein.
Ein Restaurant wäre toll! :D

Aber ich schweife ab…

Kommentieren