Fast 20 Jahre ist es her, dass ich zum letzten Mal die Fliesenwerke in Boizenburg von innen sah. Fast 20 Jahre ist es her, dass meine Ausbildung dort endete. Von 1989 bis 1992 lernte ich dort den schönen (und für mich völlig ungeeigneten) Beruf des “Instandhaltungsmechaniker für Stahl- und Blechkonstruktionen”, ein Berufswortgebilde welches man heute wohl eher mit “Schlosser” übersetzen würde.
Die über 100 Jahre alten Fliesenwerke sind das Aushängeschild unserer Stadt Boizenburg, die sich selbstbewusst “Fliesenstadt” nennt.

Boizenburger  Fliesen sind weltberühmt, an vielen Häusern der Stadt prangen kunstvolle Fliesengemälde, hier steht das erste deutsche Fliesenmuseum und jeder Boizenburger kennt zumindest jemanden der in der “Plattenbude” sein täglich Brot verdiente.
Kein Wunder wenn man bedenkt, dass in den Fliesenwerken zu DDR-Zeiten ca. 1200 Menschen arbeiteten.
Und ich war einer von ihnen :)
Ende November hatte ich also nun die seltene Gelegenheit zu einer kleinen privaten Führung durch die heutige Boizenburger Fliesenfabrik – und auch hier an dieser Stelle noch einmal 1000 Dank an Fotostammtischkollegen Matthias der dies ermöglicht hat.

Erwartungsgemäß hat sich natürlich seit meiner Zeit vor 20 Jahren sehr viel verändert.
Die Technik ist deutlich moderner als damals. Das 1989 frisch und mit viel Tam Tam eingeweihte “Neuwerk” nennt sich heute “Altwerk” und das damalige “Altwerk” mit seinen uralten Fliesenpressen und Backsteinöfen ist heute… na, ihr könnt es euch denken; das “Neuwerk” ausgestattet mit modernen Anlagen, modernen Öfen, modernen Pressen.
Das Fliesenpressen war schon immer eine staubige Angelegenheit aber im Vergleich zu damals ist es heute schon fast “klinisch” sauber dort sowie hell und menschenleer.
Heute arbeiten nur noch ca. 250 Menschen dort.
Dafür hat sich die Vielfalt an Fliesen drastisch erhöht. Wo es früher 2 Maße und 5 Farben gab ist heute alles Mögliche möglich – inklusive der sehr interessanten Idee eigene Fotofliesen brennen zu lassen.
Da komme ich aber bestimmt noch mal drauf zurück…

Ich habe selten ein Gutshaus gesehen welches so verschandelt wurde wie das “Schloss” Banzin. Das um 1828 im Auftrag derer von Lafferts erbaute Haus fiel dem architektonischen Schwachsinn zum Opfer der in der DDR herrschte und zum Ziel hatte alles wegzukloppen und glattzubetonieren was irgendwie herrschaftlich aussah. Selbst die 20 Jahre Leerstand nach der Wende konnte es nicht mehr viel schlimmer machen…welch Verschwendung…

Einer der großen Vorteile wenn man in Mecklenburg lebt ist der, dass man relativ schnell am Meer ist. Einer der großen Vorteile des Winters in Mecklenburg ist der, dass es dann am Meer relativ leer ist. Wir merken uns also; die schönste Jahreszeit um in Mecklenburg ans Meer zu fahren ist der Winter. Leider sieht die Realität so aus, dass ich relativ selten die Zeit finde um an die Ostsee zu fahren. Das wird sich aber ändern…

Teil 2 meiner Serie “Boizenburger Skizzen

Nachdem das Wetter in den letzten Wochen verrücktgespielt hat, und uns hier im Norden mit Dauernebel beglückte, meldete sich heute morgen ganz überraschend endlich die Sonne zurück und zog ihre gewohnte Show ab.